Donnerstag, 21. Juni 2007

sommeroffensive

sommerflirt

seit letztem donnerstag ist das normale leben wieder zurückgekehrt. die temperaturen haben sich irgendwo um die 35 grad eingepegelt. vorher war es für eine endlos scheinenden zeit nur noch heiß. viel zu heiß für irgendwas. nur den tag überstehen mit minimalem persönlichem energieaufwand. ich hab ein thermometer aus berlin mitgebracht, das hat ein schattiges plätzchen draußen am fenster bekommen, genau gegenüber meinem fruehstuecks- und schreibplatz. das universalgenie kann auf einer skala von minus 50 grad celsius bis plus 50 grad celsius nicht nur jede temperatur aushalten sondern auch anzeigen. als diese unglaubliche hitzewelle über uns kam, war allerdings schluss bei 40 grad celsius. die zeitungen sprachen von nahe 50 grad und so hat mein körper auch reagiert. das thermometer nicht. wahrscheinlich ist es nicht dafür gemacht – sondern für die luft vor einem deutschen kuechenfenster – und da wird’s trotz klimawandel doch noch lange nicht so heiß.

mit temperaturen verhaelt es sich mitunter wie mit stunden – je höher das quecksilber im thermometer steigt, desto heißer fühlt man sich. ich wollte deshalb eigentlich gar keines anbringen, hab mich aber doch dafür entschieden, weil ich fürchtete, mein kind würde wie ich tage lang einen rollkragenpullover tragen, obwohl schon badehosenwetter ist. bei mir dauert es schon mal einige zeit, bis ich bemerke, dass sommer ist und diese erkenntnis in taten umsetze. mit der uhr ist es ja auch so – wenn wie zum beispiel heute nacht alles schschsch und andere schlangenbeschwoerertricks nicht helfen, und das kind einfach nicht schlafen kann, ist es eigentlich völlig egal zu wissen, zu welcher zeit wir schließlich eine nächtliche ration kekse und milch zu uns nehmen. das wissen um die uhrzeit macht lediglich, dass man sich noch müder und bedauernswerter fühlt. oder jeden morgen zu kalkulieren, wie viele stunden schlaf die letzte nacht ergab? entweder man ist müde oder nicht. oder es ist viel zu heiß – oder nicht…

eine armee von ameisen belagert zurzeit unsere küche, winzig kleine dinger, die sich auf jeden krümel stürzen. wie wir die wieder loswerden? wir starten heute nach der frühlings- eine sommeroffensive gegen kakerlaken, die wollen auch ständig wieder verlorenes terrain zurückerobern. und so gibt’s immer was tun.

lucas hat sich mit laila angefreundet – der erste richtige flirt. stella, ich betone immer wieder, dass eure hochzeit längst arrangiert ist. aber die jungen leute von heute haben halt ihren eigenen kopf…

Mittwoch, 6. Juni 2007

nah dran

als meine mutter zu besuch kam, hatte sie als geschenk ein buch über kreuzberg dabei – oder besser gesagt über kreuzberg’s menschen – oder ist das das gleiche? jedenfalls wird es vor allem nach der haelfte, wenn doktor motte’s kapitel gelesen ist, interessant. es geht um geschichte und die der hausbesetzungen und – räumungen, 1. mai und so weiter. es gibt ein porträt, in dem ich einen der erzieher aus lucas erster kita wiedererkannt habe. ein mitglied der bewegung 2. juni, entführer von peter lorenz 1975. richtig erkannt habe ich ralf (http://de.wikipedia.org/wiki/Ralf_Reinders) erst auf einem photo von der diesjaehrigen maidemonstration – auf pfui bild online. jedenfalls kann ich gar nicht aufhoeren , darueber nachzudenken. nicht weil ich mir im nach hinein sorgen mache. gar nicht. es ist vielmehr, dass sich bestaetigt, man hat doch keine ahnung, was in den menschen steckt. und das ich nicht viel weiss ueber westdeutsche / - berliner geschichte. und wieso aendert sich die einstellung zu dingen, wenn man beteiligte kennt? ich hab immer gedacht, entfuehrung waere das schlimmste, was passieren koennte – in afghanistan, als es wirklich zeit war, sich mit dieser situation auseinanderzusetzen. auch weil es zwei menschen gibt, die ich kannte als sie entfuehrt wurden. vielleicht kommt es immer darauf an, wie nah man dran ist.

apropos: für die töchter unseres vermieters wird nun schon seit einiger zeit nach passenden ehemännern gesucht. das scheint nicht leicht. die beiden studieren und werden sich ganz bestimmt nicht irgendwem in die hände begeben. es gibt oft heftiges geschrei und streit in der ersten etage. wir nehmen automatisch an, dass es immer um die auswahl von heiratskandidaten geht – vielleicht ein bisschen zu viel phantasie unsererseits. wir denken nun außerdem, dass jeder männliche gast ein zukuenftiger gatte ist. da das ganze sowieso innerhalb der entfernten familie arrangiert wird und jede woche besucher eintreffen, keine abwegige idee. es bleibt jedenfalls spannend.

gestern hat sich wieder besuch von oben verabschiedet, nicht ohne lucas leidenschaftlich zu umarmen und zu herzen. mir wird das ja immer schnell zu viel. auch wenn lucas diese aufmerksamkeit geniesst. als die schwestern an meinem gesicht ablesen konnten, was ich von so vielen photos und küssen halte, haben sie mir erzählt, dass eine der frauen schwanger ist und dass sich der (aber-)glaube hält, dass ein zukünftiges kind auch einem photo ähneln könnte, dass während der schwangerschaft im haus steht. ob demnächst ein klon von lucas geboren wird? komische idee…



Maria Marta Pichel, Buque
Argentine Painting in Pakistan, May 2007, ausstellung in der argentinischen botschaft

mein favorit, das original war leider schon verkauft.

Dienstag, 5. Juni 2007

auslfug, alltag, truck art