Mittwoch, 6. Juni 2007

nah dran

als meine mutter zu besuch kam, hatte sie als geschenk ein buch über kreuzberg dabei – oder besser gesagt über kreuzberg’s menschen – oder ist das das gleiche? jedenfalls wird es vor allem nach der haelfte, wenn doktor motte’s kapitel gelesen ist, interessant. es geht um geschichte und die der hausbesetzungen und – räumungen, 1. mai und so weiter. es gibt ein porträt, in dem ich einen der erzieher aus lucas erster kita wiedererkannt habe. ein mitglied der bewegung 2. juni, entführer von peter lorenz 1975. richtig erkannt habe ich ralf (http://de.wikipedia.org/wiki/Ralf_Reinders) erst auf einem photo von der diesjaehrigen maidemonstration – auf pfui bild online. jedenfalls kann ich gar nicht aufhoeren , darueber nachzudenken. nicht weil ich mir im nach hinein sorgen mache. gar nicht. es ist vielmehr, dass sich bestaetigt, man hat doch keine ahnung, was in den menschen steckt. und das ich nicht viel weiss ueber westdeutsche / - berliner geschichte. und wieso aendert sich die einstellung zu dingen, wenn man beteiligte kennt? ich hab immer gedacht, entfuehrung waere das schlimmste, was passieren koennte – in afghanistan, als es wirklich zeit war, sich mit dieser situation auseinanderzusetzen. auch weil es zwei menschen gibt, die ich kannte als sie entfuehrt wurden. vielleicht kommt es immer darauf an, wie nah man dran ist.

apropos: für die töchter unseres vermieters wird nun schon seit einiger zeit nach passenden ehemännern gesucht. das scheint nicht leicht. die beiden studieren und werden sich ganz bestimmt nicht irgendwem in die hände begeben. es gibt oft heftiges geschrei und streit in der ersten etage. wir nehmen automatisch an, dass es immer um die auswahl von heiratskandidaten geht – vielleicht ein bisschen zu viel phantasie unsererseits. wir denken nun außerdem, dass jeder männliche gast ein zukuenftiger gatte ist. da das ganze sowieso innerhalb der entfernten familie arrangiert wird und jede woche besucher eintreffen, keine abwegige idee. es bleibt jedenfalls spannend.

gestern hat sich wieder besuch von oben verabschiedet, nicht ohne lucas leidenschaftlich zu umarmen und zu herzen. mir wird das ja immer schnell zu viel. auch wenn lucas diese aufmerksamkeit geniesst. als die schwestern an meinem gesicht ablesen konnten, was ich von so vielen photos und küssen halte, haben sie mir erzählt, dass eine der frauen schwanger ist und dass sich der (aber-)glaube hält, dass ein zukünftiges kind auch einem photo ähneln könnte, dass während der schwangerschaft im haus steht. ob demnächst ein klon von lucas geboren wird? komische idee…

1 Kommentare:

Am/um 9. Juni 2007 20:40 , Blogger beate meinte...

gilt der zauber auch für photos, die noch in umzugskartons lagerten? dann müsste bei sibylla eine gewisse ähnlichkeit durchscheinen: die frisur vielleicht, die pausbacken - oder doch der hundepullover? ganz klar. ganz dichte dran. ein glück, dass damals keine brandt-zwieback-packung im haus war!

 

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