Freitag, 30. Januar 2004

mitbewohner auf zeit...

8. tag des monats der heiligen pilgerfahrt

in zwei tagen wird id al- adha gefeiert - das opferfest. gerade sind dafuer drei schafe angekommen. die muslime gedenken damit der handlung abrahams, der nach goettlicher weisung seinen sohn ismael opfern sollte. die schlachtung selbst hat genauen rituellen vorschriften zu erfolgen - und ich bin nicht sicher, ob die anwesenheit einer frau erlaubt ist.

das waere dann mein erstes mal, das gibts noch mit ueber dreissig, und ich hab keine ahnung ob ich das als stadtkind wirklich aushalte. aber die zusammenhaenge der nahrungsquelle werden damit wohl unmissverstaendlich klar. das hiesse wohl, der realitaet ins auge blicken.

sehr nah dran ist man auf jeden fall beim einkaufen. irgendein tier hat immer gerade erst sein ende gefunden und liegt noch dampfend beim haendler auf dem fussboden. da ich damit bisher fast selbstverstaenlich klar gekommen bin, werde ich mit allahs erlaubnis auch den letzten schritt gehen...

als wir von der schlachtung erfuhren, hatte steve die idee, den schafen fuer die zeit bei uns namen zu geben, ich bin jetzt nicht mehr so ueberzeugt davon...

der taegliche anblick von schafskoepfen und rinderhaelften auf den strassen hat mich auf die frage gebracht, ob vegetarier wohl eine erfindung der sogenannten wohlstandgesellschaft sind (ich hoffe das provoziert den einen oder anderen kommentar!). fleisch bedeutet hier jedenfalls reichtum, und wie man freiwillig darauf verzichten kann, waere hier sicher den meisten leuten ein raetsel.

fortsetzung folgt...diesmal wirklich!

neuer mitbewohner

Freitag, 23. Januar 2004

istalif

istalif hotel - auf der terasse wurde frueher tee serviert. jeder unserer ausfluege ist zu gleich eine zeitreise. der grossteil des hotels ist zerstoert und wieder einmal lasen wir in unserem reisefuehrer aus den siebzigern wie es war.

dieser ausblick! diese ruhe! frische luft!

es ist ein bisschen wie in "titanic" - man moechte die augen schliessen und szenen aus einer anderen zeit sehen. und wieder hat diese ruine doch ihre eigenen schoenheit.

mit einiger ueberwindung sind wir heute sehr spaet aus unserem bett gekrochen. und nicht nur wir. ueber nacht haben sich zwei kater zu uns gesellt. sehr wahrscheinlich wurden die beiden von einem teuflischen mix aus campari, wodka und prosecco angelockt. anna hat uns mit ihrem lieblingdrink bekannt gemacht. das war ein schoenes fest beim roten kreuz!

wir haben es dennoch geschafft, das haus zu verlassen und wurden mit sonnenschein belohnt. wieder mal mit atemberaubender geschwindigkeit haben wir uns also richtung norden bewegt...nach isatlif. einst beruehmt fuer seine toepferwaren und die gibt es immer noch...

fortsetzung folgt! wir machen uns jetzt auf den weg zu einem festessen - unser erster besuch im deutschen hof steht bevor! mmhhhh...

hellraisin

we were ready for a second day out.
manja was pining for gorgonzola club pasta, i was missing brandenburg's geese. and we were both monstrously hung over from a red cross fancy dress party.
that was the second stop after a do for a new bbc correspondent. manja got chatted up by a pakistani diplomat full of political intrigue while a vast array of journalists and officials fretted over a rumor that osama had been nabbed, fought over the kebabs sizzling in the drained swimming pool, and tried not to get dragged into the afghan men's dancing contest at the foot of the garden.
fresh air was needed. the terrifying hour's drive, complete with goodnatured cackles from momand every time we hurtled into a particularly deep rut, was not. but it was worth it to get to istalif, a village in the foothills of the hindu kush once famed for its pottery and carving that is slowly recovering from its time on the taliban front line.
the main road north from kabul, paved by the russians and hammered by tanks, jingle trucks and drivers like momand ever since, runs through the shomali plain, fertile farmland once filled with orchards reduced by fighting to a largely barren wasteland littered with the crumbling mud walls of abandoned family compounds.
afghanistan was once the world's biggest exporter of dried fruit, but the taliban took great pleasure in ripping out the old vines, just in case anyone got the idea of making wine with them.
there's also no sign of the cherry or apricot orchards, or the tree-lined roads listed in the 1977 guidebook that is still the best available.
a winding dirt sideroad took us through some surviving old vines to a hilltop overlooking the village. known as The Throne, it is lined with tall plane trees and ends in the crumbling terrace of a derelict hotel that still offers an awesome view _ over the sunbathed plain far below, or to the snowy 4,700 meter peaks of the paghman mountains behind.
a sleepy soldier sitting on the wall of what must once have been a terraced garden said the building had been blown up by the taliban and waved a hand across the valley to where he said the northern alliance had placed their artillery.
from the village below, all we could hear was the rushing river and a barking dog _ music compared to the howling generators of our upmarket quarter of capital.
in the muddy main street we got no further than the second pottery shop _ an old trade that the aid groups are trying to promote to bring back tourists.
we bought three glazed bowls and to the obvious disgust of our driver didn't bother bartering. and a bag of sweet, dusty raisins with the stalks still in.

Samstag, 3. Januar 2004

Ausfluege

Guten Tag! Wir haben unseren ersten echten Ausflug gemacht! Bei wunderschoenem Sonnenschein sind wir heute Nachmittag ungefaehr 20 Meilen Richtung Nordwesten nach Paghman gefahren. Koenig Amanullah liess Paghman nach seiner Reise Ende der zwanziger Jahre durch Europa, Indien und Iran neu gestalten. Wenn man in unserem Reisefuehrer von 1977 nachliest, war dieses Dorf einst eine Oase der Erholung. Obwohl die letzten Zwanzig Jahre auch hier unglaubliche Zerstoerung hinterlassen haben und von dem einstigen Glanz nur noch eine Ahnung uebrig blieb - in Paghram sind wir heute das erste mal spazieren gegangen - ohne Eile ein paar Schritte machen, die Blicke ungestoert schweifen lassen, am Fusse des Hindukuschs Ruhe und frische Luft aufsaugen: wunderbar.

Der Reisfuehrer ist uebrigens immer noch in den Buchlaeden in Kabul zu haben, keine Ahnung wo diese Buecher die letzten beiden Jahrzehnte verbracht haben. Diese kleine Reise hat die Moeglichkeit eroeffnet, irgendwann eine echte Wandertour in die Berge zu unternehmen. Mohammad Gul (auf dem Bild in der Mitte) stammt aus dem Panjsher und wird uns in die Berge fuehren, sobald es etwas waermer ist und unsere Wanderschuhe eingetroffen sind: Jippi!

Die Feiertage haben wir auf sehr unspektakulaere Weise verbracht: zu Weihnachten hatten wir einen Lammbraten zu sechst. An Silvester gab keine Raketen - aber jede Menge Wodka.

Letzten Samstag war mein erster Arbeitstag fuer DACAAR. Meine Kollegen sind hauptsaechlich maennlich und ausgesprochen hoeflich. Nach vier Tagen, die hautsaechlich aus Vortraegen ueber Brunnen, Pumpen und die grosse und kleine Politik der NGOs bestanden, bin ich nun schon seit zwei Tagen (NGO- Feiertag zu Neujahr und heute der woechentliche Day Off) zu Hause. DACAAR hat mich mit einem Laptop ausgestattet und nun beginne ich also mit konkreten Aufgaben. Ich werde Workshops fuer das lokale Personal vorbereiten und durchfuehren, an Konzepten fuer Geldgeber mitarbeiten und ganz sicher einige Reisen zu Orten unternehmen, an denen DACAAR taetig ist. Die Arbeit ist alles in allem also nicht sehr technisch. Der erste Ausflug ist fuer Februar nach Herat geplant und wir werden auf jeden Fall auch eine Pumpenfabrik in Pakistan besuchen.

Apropos Reise: wie sich herausstellt, ist nicht jeder Freitag eine freier Tag fuer Steve, wir planen also unseren ersten Urlaub bereits jetzt, um mit Vorfreude auf Indien, die 7- Tage- Wochen zu ueberstehen.

Und noch eine Reise: vor zwei Tagen habe ich den ersten Einkaufsbummel unternommen � von Bummeln kann in dieser Stadt keine Rede sein. Der Verkehr ist chaotisch und das Tempo, mit dem die vielen Autos durch die Strassen rasen, verwundert - in einem Land, in dem doch in vielerlei Hinsicht die Zeit stehen geblieben ist. Einkaufen in der Butcher Street: der Name weist auf die vielen geschlachteten Tiere hin, die vor den Geschaeften haengen. Um ein Stueck Lammfleisch zu kaufen blieb mir nicht anderes uebrig als auf eine Schafskopf zu zeigen und von der anderen Strassenseite kam jemand, der halbwegs Englisch sprach. Das Fleisch wurde in einem Fleischwolf mit Dieselmotorantrieb ebenfalls auf der Strasse in Hackfleisch verwandelt und hat uns am Abend als Fuellung in Auberginen geschmeckt. Es gibt jede Menge Gemuese und Obst: garantiert biologisch hergestellt. Diese Strassenszenen sind schwer zu beschreiben, die Leute sind ueberall sehr freundlich und mit Hilfe von Moman (Steves Fahrer, links auf dem Foto) habe ich alle Zutaten fuer ein Abendessen bekommen.

Und jetzt ist wieder Zeit fuers Abendessen - Also Ihr Lieben, lasst es Euch gut gehen! Bis bald, Manja