Samstag, 3. Januar 2004

Ausfluege

Guten Tag! Wir haben unseren ersten echten Ausflug gemacht! Bei wunderschoenem Sonnenschein sind wir heute Nachmittag ungefaehr 20 Meilen Richtung Nordwesten nach Paghman gefahren. Koenig Amanullah liess Paghman nach seiner Reise Ende der zwanziger Jahre durch Europa, Indien und Iran neu gestalten. Wenn man in unserem Reisefuehrer von 1977 nachliest, war dieses Dorf einst eine Oase der Erholung. Obwohl die letzten Zwanzig Jahre auch hier unglaubliche Zerstoerung hinterlassen haben und von dem einstigen Glanz nur noch eine Ahnung uebrig blieb - in Paghram sind wir heute das erste mal spazieren gegangen - ohne Eile ein paar Schritte machen, die Blicke ungestoert schweifen lassen, am Fusse des Hindukuschs Ruhe und frische Luft aufsaugen: wunderbar.

Der Reisfuehrer ist uebrigens immer noch in den Buchlaeden in Kabul zu haben, keine Ahnung wo diese Buecher die letzten beiden Jahrzehnte verbracht haben. Diese kleine Reise hat die Moeglichkeit eroeffnet, irgendwann eine echte Wandertour in die Berge zu unternehmen. Mohammad Gul (auf dem Bild in der Mitte) stammt aus dem Panjsher und wird uns in die Berge fuehren, sobald es etwas waermer ist und unsere Wanderschuhe eingetroffen sind: Jippi!

Die Feiertage haben wir auf sehr unspektakulaere Weise verbracht: zu Weihnachten hatten wir einen Lammbraten zu sechst. An Silvester gab keine Raketen - aber jede Menge Wodka.

Letzten Samstag war mein erster Arbeitstag fuer DACAAR. Meine Kollegen sind hauptsaechlich maennlich und ausgesprochen hoeflich. Nach vier Tagen, die hautsaechlich aus Vortraegen ueber Brunnen, Pumpen und die grosse und kleine Politik der NGOs bestanden, bin ich nun schon seit zwei Tagen (NGO- Feiertag zu Neujahr und heute der woechentliche Day Off) zu Hause. DACAAR hat mich mit einem Laptop ausgestattet und nun beginne ich also mit konkreten Aufgaben. Ich werde Workshops fuer das lokale Personal vorbereiten und durchfuehren, an Konzepten fuer Geldgeber mitarbeiten und ganz sicher einige Reisen zu Orten unternehmen, an denen DACAAR taetig ist. Die Arbeit ist alles in allem also nicht sehr technisch. Der erste Ausflug ist fuer Februar nach Herat geplant und wir werden auf jeden Fall auch eine Pumpenfabrik in Pakistan besuchen.

Apropos Reise: wie sich herausstellt, ist nicht jeder Freitag eine freier Tag fuer Steve, wir planen also unseren ersten Urlaub bereits jetzt, um mit Vorfreude auf Indien, die 7- Tage- Wochen zu ueberstehen.

Und noch eine Reise: vor zwei Tagen habe ich den ersten Einkaufsbummel unternommen � von Bummeln kann in dieser Stadt keine Rede sein. Der Verkehr ist chaotisch und das Tempo, mit dem die vielen Autos durch die Strassen rasen, verwundert - in einem Land, in dem doch in vielerlei Hinsicht die Zeit stehen geblieben ist. Einkaufen in der Butcher Street: der Name weist auf die vielen geschlachteten Tiere hin, die vor den Geschaeften haengen. Um ein Stueck Lammfleisch zu kaufen blieb mir nicht anderes uebrig als auf eine Schafskopf zu zeigen und von der anderen Strassenseite kam jemand, der halbwegs Englisch sprach. Das Fleisch wurde in einem Fleischwolf mit Dieselmotorantrieb ebenfalls auf der Strasse in Hackfleisch verwandelt und hat uns am Abend als Fuellung in Auberginen geschmeckt. Es gibt jede Menge Gemuese und Obst: garantiert biologisch hergestellt. Diese Strassenszenen sind schwer zu beschreiben, die Leute sind ueberall sehr freundlich und mit Hilfe von Moman (Steves Fahrer, links auf dem Foto) habe ich alle Zutaten fuer ein Abendessen bekommen.

Und jetzt ist wieder Zeit fuers Abendessen - Also Ihr Lieben, lasst es Euch gut gehen! Bis bald, Manja